The Story of Stelzenegger

Endlich Muskeln aufbauen
Anfang 1985 beschloss ich im Alter von 19 Jahren, mit Bodybuilding zu beginnen. Der Grund war einfach, ich war die totale Gräte und dachte, ein paar Muskeln würden nicht schaden. Zuvor hatte ich den Kult-Bodybuilding-Dokumentationsfilm „Pumping Iron“ von 1977 gesehen. Angespornt vom Film und meinem heimlichen Idol Arnold Schwarzenegger, die Ikone dieses Sports, wusste ich, jetzt geht‘s los. Ich begann, mir ein passendes Studio zu suchen und wurde nach kurzer Zeit fündig. Fitnessstudios, wie wir sie heute kennen – Fehlanzeige. Es waren Bodybuildingstudios. Das hieß: eine karge umgebaute Industriehalle, jede Menge Eisen, überwiegend männliche Muskelgebirge, 1oo Jahre Knast in einem Raum und ein Geruch aus einer Mischung von Schweiß und Anabolika. Hier war ich richtig – dachte ich, der eigentlich Tennis spielte und in einer recht heilen Welt aufgewachsen war. Dementsprechend wurde ich auch gemustert, als ich das Studio das erste Mal betrat. Mein Trainer und der Inhaber des Studios, Werner, begrüßte mich freundlich und fragte mich, was mein Ziel wäre. Ich sagte, dass ich gerne eine „Kante“ werden möchte. Er lachte! Kein Wunder, denn ich wog 59 Kilo bei einer Größe von 178 cm und Werner war Mr. Germany im Bodybuilding mit einem Gewicht von 130 kg (fettfrei). Er klopfte mir auf die Schultern, gab mir kurz eine Einweisung und erstellte mir einen groben Trainingsplan. Es konnte also losgehen!

Die Geburtsstunde von STELZENEGGER
Nach einigen Monaten war ich zwischen den Kanten etabliert und hatte viel Spaß. Nur Beintraining, welcher Kraftsportler kennt das nicht, war immer eine echte Tortur und so begann ich, das Training immer wieder zu vernachlässigen. Und so kam es, wie es kommen musste: Mein Trainer Werner kam auf mich zu und ermahnte mich lautstark:

„Wenn du keine Beine trainierst, wirst du nie ein Schwarzenegger! Du bleibst immer ein STELZENEGGER.“

Da war es um mich geschehen. Werner hatte es auf den Punkt gebracht. Ich bin STELZENEGGER und ich wusste es. Es hat sich auch nie wirklich geändert, obwohl ich dem Sport mit einigen Pausen immer treu geblieben bin. Und weil ich mich mit diesem Namen von der ersten Sekunde an so sehr identifizieren konnte, dachte ich mir damals, wenn du mal etwas Eigenes aufbaust, dann mit dem Namen „STELZENEGGER“!

Die Start-up-Phase

Ein Jahr später hatte ich die Idee, ein paar T-Shirts für mich und meine Tenniskumpels zu machen. Aber was heute kinderleicht ist, entpuppte sich damals als echte Herausforderung, denn es gab keine Computer oder Techniken, um mal eben ein Shirt zu bedrucken – geschweige denn Internet. Als Erstes brauchte ich ein Logo und vor allem einen Schriftzug. Aber wie macht man so etwas? Ich fragte einen Bekannten, der Kommunikationsdesign studierte. Er erklärte mir, dass man in Schreibwarengeschäften Schriften als Rubbelbuchstaben kaufen kann und damit erstellt man Schriftzüge. Guten Mutes fuhr ich am nächsten Tag los und sagte der Verkäuferin, dass ich Rubbelbuchstaben brauche. Daraufhin fragte Sie mich, welche Schrift ich denn gerne hätte. Ich wusste noch nicht einmal, dass es verschiedene Schriften gab. Ich bekam ein sehr, sehr dickes Buch. Auf jeder Seite standen die Buchstaben A–Z in Klein- und Großschrift sowie die Zahlen von 0–9. Und da sollte ich mir jetzt etwas aussuchen – echt jetzt? Nach 30 verzweifelten Minuten habe ich mich dann schweren Herzens für eine Schriftart entschieden. Es war ein Bogen. Kostenpunkt 60 Mark. Ich schluckte zweimal über den Preis und wusste, da darf beim Rubbeln nichts schiefgehen.

Ein Biologie-Schulbuch half

Zuhause angekommen machte ich mich mit einem Zeichenblock, Lineal und Radiergummi direkt an die Arbeit. Und nach einer Stunde war es vollbracht. STELZENEGGER hatte seinen Schriftzug. Jubeln konnte ich nicht wirklich, denn er sah recht leblos aus, aber ein zweiter Versuch für 60 Mark war nicht drin. Also überlegte ich, den Schriftzug mit einem Logo oder Signet zu optimieren. Natürlich musste das alles von Hand gezeichnet werden. Aber zunächst brauchte ich eine gute Idee. Was würde zu STELZENEGGER passen? Abends traf ich mich mit meinem Kumpel Gregor bei einem Bierchen. Ich erzählte ihm, dass ich eine passende Idee suchte. Ich sagte, vielleicht sollte ich ein Tier mit dünnen Beinen, aber viel Dynamik nehmen. Gregor sagte: „Nimm doch einen Delfin“. Meinen ratlosen Blick habe ich heute noch, wenn ich an die Antwort denke. Und so konzentrierten wir uns wieder aufs Biertrinken. Auf der Suche nach einer Idee wälzte ich in den nächsten Tagen ein paar Bücher und wurde unverhoffter Dinge in meinem alten Biologiebuch fündig. Sollte mir ein Schulbuch wirklich im Nachhinein noch hilfreich sein? Da war er, der Vogelstrauß – dünne Stelzen und in einer dynamischen Laufbewegung. Und eine Zeichenvorlage hatte ich auch direkt. Das erste STELZENEGGER Logo war fertig!

Die ersten Produkte

Jetzt nur noch die ersten T-Shirts machen, aber wie? Es gab in ganz Wuppertal (350.000 Einwohner) keinen Textildrucker. Nach einigen Recherchen in diversen Branchenbüchern wurde ich in Gevelsberg fündig. Und nach einem netten Gespräch mit dem Inhaber und einem gründerfreundlichen Preisnachlass konnte ich mir die ersten 100 T-Shirts mit Logo bedrucken lassen. Ich war echt stolz! Meine eigenen Shirts. Zwei Wochen später fand ein großes, lokales Tennisturnier statt. Ich packte meinen Kofferraum mit meinen T-Shirts voll und schenkte jedem Teilnehmer, der das Halbfinale erreichte, ein T-Shirt mit der Bitte, es im Halbfinale zu tragen. Und siehe da, auf einmal trugen alle Spieler auf allen Plätzen die gleichen Shirts. Der Effekt war super und die restlichen Shirts verkauften sich wie warme Semmeln. Am Ende waren bis auf drei Stück alle weg – und die habe ich bis heute aufbewahrt.

Jetzt musste es weitergehen

Es war der erste kleine Durchbruch und die Marke hatte ihre ersten Fans. Es musste also weitergehen. Ich fing an, neue Motive zu zeichnen und versuchte, neue Quellen für Textilien aufzuspüren. Die nächste Kollektion war geboren und umfasste neue T-Shirts, Polohemden, Jogginghosen, Sweatshirts und einen Trainingsanzug. Es gab nun auch eigene Etiketten. Ich setzte alle meine Ersparnisse auf eine Karte. Was ich nicht bedacht hatte, dass meine umfangreichen Bestellungen auch Platz brauchten. Ich wohnte noch bei meinen Eltern und deren Freude hielt sich sehr in Grenzen, als ein LKW vorfuhr und zwei Paletten abladen wollte. Ich hätte besser vorher mal Bescheid gesagt. Nach einigen Diskussionen konnte ich meine Eltern überzeugen, dass ein Gästezimmer doch überflüssig sei.

Die Marke wuchs
Dann ging es Schritt für Schritt weiter. Ich versuchte, Tennislehrer, Tennisshops und Fitnessstudios als Kunden und Multiplikatoren zu finden. Und so wuchs der Umsatz und statt dem Gästezimmer belegte ich recht schnell die ganze Einliegerwohnung im Haus meiner Eltern. Nach einem Jahr hatte ich meine erste Teilzeitkraft (Anja) und ein weiteres Jahr später konnte ich mir den ersten Computer leisten. Rechner, Bildschirm und Scanner für „schlappe“ 12.500 Mark. Es gab ein tolles Grafikprogramm (CorelDraw 2.0) und ich begann, mich fieberhaft einzuarbeiten. Es eröffnete sich eine neue Welt der Gestaltungsmöglichkeiten und ich konnte den ersten Logo-Relaunch der Marke durchführen. Ein echter Meilenstein. Auch die Motive und die Schnitte der Klamotten wurden immer besser und die Fangemeinde wuchs (auch ohne Social Media). Wiederum ein Jahr später gab es das erste Fotoshooting und einen eigenen Katalog. Inzwischen gab es auch eine kleine Vertretung in Hessen.

Der Tag X

Alles in allem entwickelte sich alles recht positiv. Ich wurde nicht reich, aber konnte von den Erträgen leben und studieren. Und dann kam der Tag X und kurz vor dem Ende meines Studiums bekam ich von einem mittelständischen Textilunternehmen die große Chance, eine Marketingabteilung aufzubauen. Auch das Anfangsgehalt war sehr attraktiv. Aber es würde meine komplette Zeit einfordern. Was nun? Ich hatte eine feste Freundin und wir wollten ein Haus kaufen und eine Familie gründen. Ein weiteres Wachstum von STELZENEGGER hätte jetzt viel neues Kapital gebraucht. Alles hätte größer und professioneller werden müssen. Und so habe ich mich für den sicheren Weg entschieden und STELZENEGGER an den Nagel gehängt.

Jetzt geht’s weiter!

Habe ich es bereut? Nicht wirklich, da mein Leben bisher auch so gut verlaufen ist. Das Entscheidende, was mir aber im Laufe der Zeit immer bewusster wurde, ist, dass es nie das Geld war, was mich antrieb, sondern die Leidenschaft für die Marke, die vielen tollen Erlebnisse und die Begeisterung der Menschen für meine Ideen. Es sind die vielen kleinen Geschichten, an die ich mich gerne zurückerinnere und die meinem Leben Sinn geben. Und genau das ist es auch heute, 25 Jahre später, was mich wieder antreibt, STELZENEGGER aufleben zu lassen – neue Geschichten und neue Fans für diese Marke. Vielleicht lernen auch wir uns mal kennen.

Mein Traum

Mein größter Wunsch wäre, dass eines Tages mein Idol „Arnie“ von dieser Geschichte erfährt. Er hat so viele Menschen (wie auch mich) inspiriert, so viel erreicht und erlebt. Sicherlich wäre es für ihn nichts Besonderes, aber vielleicht kann er doch ein wenig über den Namen STELZENEGGER schmunzeln. Gerade in Österreich ist der Begriff „Stelzen“ für dünne Beine sehr geläufig. Für mich würde sich der Kreis der STELZENEGGER Story schließen und es wäre eine große Motivation für die Zukunft.

Euer Stelzenegger

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